filmbiz | Brenner dreht auf

Brenner rules

 Der am 5. März gestartete Film „Das ewige Leben“ lockt das Publikum ins Kino. An die 200.000 Zuschauer wollten bisher den neuesten Film von Wolfgang Murnberger mit dem grandiosen Josef Hader schon sehen.

 

Kennen Sie eigentlich den Song ‘When it’s raining, it’s too late’ ? Der könnte doch prototypisch über den neuesten Brenner-Film stehen, indem sich Josef Hader sogar (eher unnützerweise) ein Plastiksackerl über den Kopf stülpt, weil es ununterbrochen zu regnen scheint. Welches filmische Konzept verfolgten Sie damit ?

WOLFGANG MURNBERGER: Ich wollte noch viel mehr Regentage einbauen, aber das wäre zu teuer geworden, denn diese sind mit ungeheurem Aufwand und hohen Kosten verbunden. Der Film ist zwar mit einem ordentlichen Budget ausgestattet, selbstredend für österreichische Verhältnisse, aber trotzdem heißt es sparsam umgehen, wie man zB. auch an der Verfolgungsjagd sieht. Wo gibt es denn so etwas, dass ein Jaguar ein altes Moped aus den 70-er Jahren verfolgt?

Die Rückblenden auf die Jugend der Protagonisten vermitteln aufgrund des gelblichen Filter eine unbeschwerte Leichtigkeit. Wie weit haben Sie Ihre filmischen Bilder beim Schreiben schon im Kopf?

MURNBERGER: Es ging darum, einen Kontrast zum aktuellen Zustand der Protagonisten herzustellen, im Grunde sind die handelnden Figuren alles gescheiterte Existenzen und nachdem ich mit Kameramann Peter von Haller schon sehr lange zusammen arbeite, wissen wir voneinander, was wichtig ist. Beim Film muss ja alles gut vorbereitet sein, da kann man nicht erst in der Produktion anfangen, über gewisse Filmtableaus nachzudenken oder auf äußere Umstände zu reagieren. Und wie gesagt, wir sind beim Brenner alle ein eingespieltes Team, wir haben dieselben Intentionen und vor allem auch den Humor.

Der ja mitunter sehr hart ist und trotzdem gut ankommt, die Brenner-Verfilmungen werden von den Kritikern gelobt und vom Publikum geliebt, eine eher seltene Konstellation, woran liegts?

MURNBERGER: Mit Josef Hader haben wir ein Zugpferd, das die Menschen begeistert und je älter er wird, desto mehr gleicht er sich auch physisch der Figur aus der Buchvorlage an. Wenn er jetzt noch zu rauchen aufhört…Wir wissen ja auch vom ORF, dass die Leute sehr gerne und eigentlich auch lieber heimische Produktionen sehen, sei es die Sprache, die Locations, die Inhalte, man identifiziert sich eher mit dem, das man kennt, als mit dem Unbekannten. Und das Hauptatout beim Brenner sehe ich eben im Humor, der ganz spezifisch österreichisch ist, dem immer etwas Tragisches innewohnt. In Deutschland wird eher dem reinen Lustspiel gefrönt.

Trotzdem kommen die Filme auch gut in Deutschland an?

MURNBERGER: Das liegt wiederum an Josef Hader, der auch beim Nachbarn bekannt ist und dazu gibt es für unsere Filme oft ganz besondere Events, Filmnächte wo alle Brenner-Filme hintereinander gespielt werden u.ä., aber bleiben wir in der Realität, wir bewegen uns in Deutschland im Arthouse-Bereich, vergleichbar mit einem Almodóvar.

Gutes Stichwort, auch er zeigt oft ganz normale Menschen, die in absurde Situationen geraten.

MURNBERGER: Darin liegt – neben der berühmten Haas-Stilistik – auch der Reiz der Brenner-Geschichten, dass er Katastrophen auslöst, ohne dass er es will oder bewusst setzt. Erst die Zufälle lösen die Handlung aus. Brenner bräuchte die eigentlich gar nicht, da das normale Leben für ihn genügend Thrill bieten würde.

Haben Sie nie Angst reiner Wiederholungstäter zu werden oder anders gefragt hat der Brenner kein Verfallsdatum?

MURNBERGER: Ich mache ja sehr viel anderes dazwischen und die Abstände zwischen den einzelnen Filmen sind doch recht lange, also denke ich nicht, dass wir langweilen. Und mit Sicherheit hat der Brenner ein Verfallsdatum, das kann man schon anhand der bisherigen Filme erkennen, alles wird immer schwärzer, härter, puristischer.

Hochgelobt werden die drei Schauspieler Hader, Moretti und Düringer. Wieviel Spaß macht es als Regisseur solchen Kalibern Anweisungen zu erteilen?

MURNBERGER: Das ist nun mal die Aufgabe desjenigen, der Regie führt aber selbstverständlich kommen manchesmal Momente, wo auch meinerseits ein wenig Bösartigkeit im Spiele ist. Die Verfolgungsjagd auf den Schlossberg war für Hader und Moretti im wahrsten Sinne eine physische Herausforderung, da gaben sie alles und mussten quasi nicht mehr spielen.

Sie haben unlängst einen sogenannten ORF-Landkrimi gedreht, was ist der größte Unterschied zwischen Krimi im Kino und im Fernsehen?

MURNBERGER: Wann haben Sie zuletzt im Kino eine whodunit-Geschichte gesehen? Im Fernsehen geht es darum, herauszufinden, wer der Täter ist im Kino schauen wir dem Mörder bei der Arbeit zu. Im TV gilt es, eine Erwartungshaltung zu erfüllen, ob die nun intelligenter geschieht, indem man die Mörderfindung möglichst lange und mit vielen Abweichungen hinauszögert oder eben nicht, ist der Freiraum des Regisseurs, aber generell weiß man, welches Handwerk erwartet wird.

Sie sind auch Professor an der Filmakademie, an der Sie selbst studierten. Was macht den Unterschied zu Ihrer Ausbildungszeit aus?

MURNBERGER: Eigentlich gar nicht so viel, es ist noch immer eine sehr kleine, eigenständige Universität, an der sich sehr viele bewerben, nur aber wenige genommen werden können. Die jedoch haben den Vorteil, von echten Profis unterrichtet zu werden. Zu meiner Zeit waren eher die Theoretiker am Werk, heutzutage weiß jeder ganz genau, wovon er spricht. Meine Aufgabe ist es, hauptsächlich den Studenten bei ihren Filmkonzepten hilfreich zur Seite stehen, diese Betreuung der Projekte ist jedoch so zeitintensiv, ich könnte gar nicht mehr aufnehmen.

Wie beurteilen Sie generell den filmischen Nachwuchs in Österreich?

MURNBERGER: Ich unterrichte Regie, wo ich aber leider Defizite sehe, ist im Drehbuch, das ist ein Bereich, der viel zu wenig gewürdigt und in Folge auch von wenigen nur angestrebt wird. Ob Filme in Zukunft gestreamt oder doch im großen Kino angesehen werden, ist letztendlich egal, ich bin überzeugt, dass die Faszination Film nie nachlassen wird. Der Mensch lässt sich einfach zu gerne Geschichten erzählen.