mediabiz: Denkt und singt mit Kultur

« Es ist mir ein Volksfest »

Heuer feiert Birgit Denk, Österreichs Paradedialektsängerin der Ostregion ihr 15-jähriges Bühnenjubiläum. Demnächst in der Simm City (11.6.) live, on air auf ORFIII oder Radio Orange, wo ihre individuelle Klasse gut aufgehoben scheint.

Sie wirken live oder in Ihren Sendungen auf Radio Orange oder ORF3 immer sehr selbstsicher. Kennen Sie kein Lampenfieber oder nicht mehr?
BIRGIT DENK:  Ich bin freudig aufgeregt. So würde ich das nennen. In Situationen oder vor Aufgaben die mir neu sind etwas mehr. Vor allem wenn meine Band bei mir ist mit der mich 15 gemeinsame Jahre verbinden fühle ich mich extrem sicher !
Was hat sich seit den Anfängen zum Positiven verändert, wo sehen Sie für sich selbst Nachholbedarf ?
DENK: Ich nehme an sie meinen die „Gesamtsituation“ in der österreichischen Musiklandschaft? Was sich zum Positiven geändert hat ist, dass die Kreativen und auch das Publikum nicht mehr den Kopf in den Sand stecken, sondern sehr freudig und selbstbewusst agieren. Die Förderung von jungen Musikern, neuen Bands und Strömungen, wie auch die nachhaltige Unterstützung ist leider nach wie vor nicht gegeben und muss politisch und dadurch auch gesellschaftlich dringend verbessert werden, Natürlich gern nach dem Vorbild vieler anderer Nationen die uns seit Jahrzehnten vorspringen wie man talentierte Musiker zu erfolgreichen für die Volkswirtschaft und das gesellschaftliche Klima wichtigen Mitgliedern der Gesellschaft macht.
SIe moderieren auf Radio Orange die Sendung «Was gibt es Neues», in der Sie junge Bands zum Gespräch einladen und dementsprechend vorstellen. Woher stammt Ihr Interesse am musikalischen Nachwuchs?
DENK: Ich war selber mal Nachwuchs. Daher weiss ich, dass man gerade am Anfang jede Unterstützung braucht, um nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen. Den jungen Musikern ist Respekt entgegen zu bringen, sie sind unbedingt zu fördern. Radiointerviews sind zu üben, wie man sich präsentiert,… dafür gebe ich die Gelegenheit.
Austropop ist seit kurzem wieder positiv in aller Munde. Haben Sie diese Entwicklung voraussehen können, aufgrund Ihrer Beschäftigung mit vielen jungen Bands?
DENK: Diese erfreuliche Entwicklung hat weniger mit den Bands zu tun. Da waren nämlich über all die Jahre sehr sehr gute dabei! Das Interesse des Publikums hat einfach wieder zugenommen, die Wahrnehmung bei den Medien steigt langsam und die hymnische Berichterstattung der ausländischen Medienpartner hilft den Bands wie schon immer auch in Österreich.
 Auf ORF3 präsentieren Sie  «Denk mit Kultur»? Für alle, die die Sendung nicht kennen, geben Sie uns bitte ein paar Anhaltspunkte.
DENK: DENK mit Kultur ist einem dringenden Wunsch von mir und Alex Horstmann entsprungen, das von uns so geliebte Konzept von „Inas Nacht“ von Hamburg nach Wien zu übersiedeln. ORF III ist an uns herangetreten um bei der Umsetzung zu helfen. Die Idee einen Gast aus der sogenannten Hochkultur mit einem aus der sogenannten Popularkultur zu paaren wurde von uns gerne aufgegriffen. Launige, wertschätzende Gespräche mit kreativen Menschen in einer ungezwungenen Umgebung mit Musik und Unterhaltung, abseits von Werbeaufrufen sprechen wir Menschen zwischen 10 und 100 an. Der Zuseher schaltet ein, weil er einen Gast kennt und bekommt einen weiteren Gast präsentiert, den er so nicht kennengelernt hätte. Das kommt sehr gut an, wir haben viele Seher, viele Anfragen um als Publikumsgast einen schönen Abend zu verbringen und ich bekomme täglich Anfragen namhafter aber auch noch unbekannterer interessanter Künstler (wir begrüßen ja nicht nur Musiker) für noch mindestens 100 Folgen. Die Gäste suchen die Redaktion von ORF III und ich zusammen aus. Ausserdem müssen alle Gäste mit uns singen, wodurch wir wieder mehr Musik ins österreichische Fernsehen bringen. 😉
Wieviel Natürlichkeit verträgt eine TV-Show?
DENK: In Zeiten wie diesen können wir jede Natürlichkeit brauchen die wir kriegen können. Das Fernsehen wird immer gebügelter, glatter, vorhersehbarer und berechnender. Mich interessiert das schon länger nicht mehr.
Auch das TV Publikum besteht unter Anderen aus Menschen die gerne selber mitdenken, überrascht werden wollen und neue Inhalte, überraschend Wendungen und „normal“ agierende Menschen kennenlernen möchten.
Wieviel Vorbereitung brauchen Sie für Ihre vielen verschiedenen Projekte?
DENK: DENK mit Kultur nimmt viel Zeit in Anspruch. Ich bereite mich sehr gewissenhaft auf meine Gäste vor, ich studiere mit der Band die Lieder ein, die ich auch alle singen können muss.  Bei Radio Orange falle ich einmal die Woche ins Studio ein und unterhalte mich live mit meinen Gästen.
Für Musik am Montag, meine monatliche von mir gestaltete und moderiere Konzertreihe in der Wiener Kulisse brauche ich auch ein paar Stunden um Bands zu finden und mich auf sie vorzubereiten, damit ich sie gebührend einem neugierigen Publikum vorstellen darf.
 Was ist Ihnen peinlich?
DENK: Namen zu vergessen. Eine Schwäche von mir, die aber nicht von Desinteresse zeugt, sondern von einer angeborenen Teilleistungsschwäche. Ich empfinde es aber selber immer als unhöflich und genier mich dafür. Sonst finde ich wenig peinlich, denn Scheitern und Fehler gehören zum Leben dazu und sind menschlich. Ich empfehle dringend: „Meine Lieblingsflops- die Lust am Scheitern“ von Hans Magnus Enzensberger