musicbiz I Im Keller des Herrn Preddy

Preddy mit smoab

MUSIK IST IMMER EIN GESCHMACKSSTATEMENT

Auf Radio Superfly kennt man Herrn Preddy als kongenialen Partner von Monsieur Smoab, Plattenfreunde vielleicht von seinem fame record shop.

Vinyl ist derzeit in aller Munde, waren Sie vorausblickend genug, um bei der Gründung Ihres Fame Record Shop by personal rec. auf diesen Trend zu setzen?
PREDDY: Wenn man sich die Platten hier ansieht, wird man sofort erkennen, dass ich mich um keine Trends kümmere, sondern nur um gute Musik. Der Store entstand aus der Notwendigkeit, Platz zu schaffen, denn jeder Musikliebhaber, der auf Platten setzt, kennt das Problem, irgendwann ist jeder Raum zu klein. Ursprünglich fragten mich die Jungs von Fame Skateshop, ob ich mir vorstellen könnte, in ihrem Keller einen Plattenshop zu betreiben, ich dachte anfangs an einen sogenannten Pop-Up-Store, aber mittlerweile betreibe ich das Geschäft über 1 ½ Jahre und es entwickelt sich gut.
Musik ist immer ein Geschmacksstatement, wo liegen Ihre Prioritäten?
PREDDY: Ich bin mit den Jahren immer milder geworden und lasse im Grunde jedem seine Vorlieben, meine sind eindeutig im Rap/Soul/Funk und darüberhinaus jegliche andere Obskuritäten. Gepaart ist dies mit dem Sammlerinstinkt, da will man dann halt unbedingt das Original und gibt dafür unvernünftige Summen aus. Bei mir im Geschäft sind die Preise höchst moderat, da sehr vieles Second Hand Ware ist, es ist aber alles Musik, die ich 100 % empfehlen kann. Neuware beziehe ich neben Releases von meinem eigenen Label personal rec., zumeist von österreichischen Imprints wie Affine, Duzz Down San, Hector Marcello oder dem sehr interessanten Re-Issue Label Digatone…
Gibt es eine bestimmte Käuferschicht?
PREDDY: Überhaupt nicht, das ist vollkommen unterschiedlich. Manchesmal kommen junge Skatekids von Fame Skateshop oben, die noch niemals eine Schallplatte in der Hand gehalten haben, teils Touristen, Sammler aus aller Welt, DJs, manchmal gar niemand, man kann es nie voraussehen.
Um doch ein wenig Ihre Vorlieben hervorzukitzeln: sind Sie ein Nostalgiker, wenn man sich so Ihre Platten ansieht?
PREDDY: Ich habe mich zumindest an den alten Sachen noch nicht sattgehört und finde die frühen Scheiben von Musikern meist interessanter, aber keineswegs bin ich einer, der sagt, früher war alles besser. Bei vielen kommt halt leider danach nur mehr ein ‘more of the same’, es fehlt die jugendliche Leichtigkeit. Natürlich gibt es Kapazunder wie ein Herbie Hancock, der mit über 70 noch immer neue Sachen ausprobiert, viele aber bleiben leider stecken. Ich versuche gerne herauszufinden, wie sich die Kreise schließen, in diesem Fall die der Musik und da braucht es halt den Überblick über die Vergangenheit. Ich habe ca. mit 12 Jahren angefangen, bewusst Musik zu hören und zu kaufen, somit ist etwas zusammen gekommen und es kommt auch weiterhin was dazu auch Neues denn das Interesse bezieht sich nicht nur auf die Musikgeschichte.
Später begann die Zeit der Clubs, in Wuppertal mit der Beatbox, dann Köln und Hamburg mit dem Mojo, auch Berlin und so wurde das immer mehr und mit Wien und der Soul Seduction hatte ich über die Beatbox und dem Kölner Plattenladen und Vertrieb Groove Attack immer zu tun, sei es mit Acts wie Gilles Peterson, Stereo MC‘s, Gang Starr u.a. die in Wuppertal auftraten und von da aus in Wien oder später mit dem Black Market mit dem wir uns bei Groove Attack Vinyl hin und her schickten.
Und fanden in dieser Szene sofort Anschluss?
PREDDY: Ich kannte ja einige der wichtigen Protagonisten schon, meinen Radiopartner Smoab kannte ich ja schon aus Kölner Zeiten und seitdem arbeiteten wir auch immer in irgendeiner Weise zusammen.
Mit dem erwähnten Monsieur Smoab gestalten Sie die höchst unterhaltsame Musiksendung ‘Rare & Welldone’ auf dem Wiener Sender Superfly. Können Sie ein wenig die Hintergründe der Show erläutern?
PREDDY: Rare & Well Done wurde 2006 auf Play.fm gestartet, seit 2008 sind wir jeden Dienstag Abend auf 98,3 Superfly zu finden. Wir hatten schon Gäste wie Larry Heard, Hans Nieswandt, Rainer Trüby oder Ben Mono, meistens sind wir aber zu zweit im Studio. Während ich von dem Kollegen als wandelndes Musiklexikon bezeichnet werde, ist Monsieur Smoab nicht minder mit der musikalischen Historie bewandert ist aber doch auch mehr für das Reden zuständig. Er hat ja eine wunderbare Radiostimme und ist ergo dessen viel auf Superfly zu hören. Es gibt bei uns keine Regeln, eine entspannte Grundstimmung soll sich durch die Sendung ziehen, wir wollen Emotionen wecken und dabei vollkommen authentisch bleiben.. Wir leuchten aus der Perspektive des Musikliebhabers verborgene Winkel der Musikgeschichte aus, erhellen gleichsam die Gegenwart und wollen damit den Hörern einen schönen Abend bereiten,
Seit kurzem kann man Herrn Preddy & Monsieur Smoab auch live vor Ort erleben, Sie gehen raus aus dem Studio, mitten unter die Leute. Wie kommt dieses Experiment an?
PREDDY: Wer uns kennt, weiß, dass wir sehr gerne Geschichten erzählen, so eine Veranstaltung erfordert schon Konzentration von den Zuhörern. Mit den Musikgeschichten versuchten wir natürlich den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, aber mehr als 3-4 Geschichten pro Sendung waren nicht möglich, wir spielten dazu die passende Musik und ein wenig Geplänkel durfte auch nicht fehlen, immerhin ist der ironische Ansatz unserer Kommunikation auch ein Merkmal von Rare & Well Done. Wir wollen keinesfalls als nerdige Besserwisser auffallen, doch darf man nicht vergessen dass einfach viel Recherche hinter den Geschichten steckt, denn die Fakten müssen stimmen. Soweit ich es den Gesichtern der Zuseher entnehmen konnte, hatten wir den richtigen Dreh rausgefunden.
Jetzt gehen wir mit Rare and Well Done einmal im Monat live raus und senden aus dem Lokal Das Campus, weniger Geschichten dafür 100 % Live-Radio zum Zuschauen. Die Musikgeschichten werden sicher bald wieder zurückkehren.
Letztes Stichwort: Sie sind auch als DJ und Labelbetreiber tätig, gibts da etwas Neues?
PREDDY: Das Auflegen ist sehr unregelmäßig, manchesmal hat man einen vollen Monat, dann wieder eine kürzere Pause, aber das ist auch völlig okay so nach ca. 25 Jahren hinter den Plattenspielern. Was ich nicht mag, ist, wenn ich zu bestimmten Events so gar nicht dazu passe und auch umgekehrt.
Ansonsten versuche ich beim Label so offen wie möglich vorzugehen, aber natürlich sind es vor allem die österreichischen Musiker die bei mir auf Vinyl gebannt werden, demnächst. kommt, so viel kann ich verraten, auf Personal Rec. ein neues DJ Buzz & Preddy Album raus.