musicbiz | LSK: Nachwuchs nebst AC/DC

Konzertveranstalter Mathias Rotermund über kommende Highlights

 Die Veranstalterbranche in Österreich ist recht übersichtlich, man kennt einander, man kennt die Festivals, man weiß, wer wen bringt. Die LSK Konzertagentur, die bis dato hautpsächlich im Family-Entertainment tätig war, kehrt mit neuen Besen. Den Anfang macht das New Sound Festival. Geschäftsführer Matthias Rotermund über die vielen Vorhaben im Jahre 2015.

 

Bis jetzt war die LSK in Österreich zumindest vorwiegend im Family Entertainment-Bereich tätig, nun haben Sie gleich zwei ganz unterschiedliche Großvorhaben am Start, wie kommts ?

MATTHIAS ROTERMUND: Als ich im Jahre 2013 gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, relativ rasch die Geschäftsführung der LSK Konzertverantaltungsagentur zu übernehmen, war eine meiner Bedingungen, mehr aus dem Vorhandenen machen zu dürfen. Als ich hierher kam, war ich doch einigermaßen überrascht, von der unterschiedlichen Arbeitsweise zwischen Deutschland und Österreich, aber mittlerweile habe ich mich eingelebt, liebe Wien und fange eben jetzt an, meine Ideen umzusetzen.

Die unterschiedlichen Arbeitsweisen im positiven oder negativen Sinne ?

ROTERMUND: Ich bin schon sehr lange in der Veranstalterbranche tätig, in Deutschland läuft es aufgrund vielerlei Fakten anders. Angefangen von der Geografie, dort gibt es zwischen 5 und 8 Großstädten, wo man vor einem großen Publikum spielen kann, in Österreich hat man de facto nur Wien als Austragungsort über die persönlichen Kontakte bis hin zum Tempo. In Deutschland geht alles sehr zackig, der Markt ist aufgeteilt, alles ist strikt genormt, hier – auch wenn es ein Klischee ist- , stimmt es, man trinkt sich zuerst bei einem Gspritztn zusammen und kommt erst dann langsam ins Geschäft. Das Ist eine neue Erfahrung für mich, aber diese Entschleunigung gefällt mir und was die Lebensqualität und Architekur von Wien betrifft, ist die Stadt unübertrefflich.

Weil Sie gerade Wien so loben, wie beurteilen Sie die Stadt aus Veranstaltersicht?

ROTERMUND: Das ist ein schwieriges Kapitel und alle Veranstalter leiden unter denselben Problemen. Es gibt zuwenig Konkurrenz, respektive ist ein Monopol auf Locations, wie es hier nun mal gegeben ist, problematisch. Dass hier Musicalbühnen staatlich subventioniert werden, ist ebenfalls ein schon oft diskutiertes, aber noch nie gelöstes Thema. Ich komme aus dem Theaterbereich, wir haben sehr viel von Cirque de Soleil bis hin zu den diversen Musicals gemacht, aber das wurde alles privatwirtschaftlich produziert. Und die Preise sind ja in Wien deswegen nicht günstiger, obwohl die Stadt so viel Geld in diesen Bereich hineinsteckt. Man sollte Alternativmodelle zum derzeitigen Modell andenken, es könnte doch etwas Fruchbareres entstehen. Ich will mich nicht beklagen, aber Verbesserungspotenzial gibt es immer.

Wurde die Situation mit der Blockierung der Stadthalle im Mai für den Song Contest bereinigt, mussten Sie viel verlegen resp. absagen?

Wir haben in Abstimmung mit der Wiener Stadthalle James Last und Apassionata verlegen können.

Ihre Konzertagentur ist eher bekannt für Acts wie Helene Fischer, Michelle, Bruce Springsteen oder One Direction. Wie kommt es dazu, dass ausgerechnet Sie nun ein ‘New Sound Festival’ ausrichten?

ROTERMUND :Wir lieben alle Musik und kennen die Nöte von jungen MusikerInnen. In den Gr0ßstädten gibt es zwar Möglichkeiten, aber auch viel Angebot und außerdem wollte ich das angesprochene Spektrum erweitern. Der Nachwuchs soll bei uns eine Chance bekommen, wir wollen junge Bands fördern und deswegen gibt es erstmals am 14.März dieses Festival, bei dem u.a. Rakede, Kovacs, Wanda oder Dotan spielen. 20 Acts aud drei Bühnen und danach noch Party mit den szenetechnisch geprüften Plattendrehern wie Resident DJs Fränk Moody, c.h.imera und Søren Appel von “Der Hörsaal wird verlegt”, die auch für gute Stimmung während den Umbauphasen sorgen werden. Das Festival wird zusätzlich von einem Rahmenprogramm ummantelt und zwar veranstalten wir in Zusammenarbeit mit dem mica Roundtablegespräche, Panels etc. Fix kommt der DJ von Cro, nämlich Psaiko.Dino, der aus seinem Buch über den langen Weg vom Unbekannten zum populäten Künster lesen wird.

An wen wenden Sie sich damit?

ROTERMUND Etwas für die Fans, für die Neugierigen, für alle mit offenen Ohren. Für alle, die Musik selbst entdecken. Mal rechtzeitig eine Band sehen, die bald andere Dimensionen füllt. Es soll für Musiker wie Besucher ein Ort des Austausches und der Inspiration werden.

Wie finanziert sich das Festival?

ROTERMUND Es ist das erste non-profit Eintages-Festival, denn mit einem Eintrittspreis um wohlfeile 29 Euro und der Vielzahl an Acts kann man ohne Partner und Sponsoren wie der Ottakringer Brauerei oder der Raika nicht kostendeckend arbeiten. Wir wollen nationale und internationale Acts ungeachtet der allzu engen Genre-Ketten fördern und auch geistig eine Brücke mit drei Bühnen zwischen dem Showcase und der erhofften großen Bühne bauen. Wir selbst gehen mit gutem Beispiel voran, kooperieren mit anderen Veranstaltern und Labels, weil dieses Festival keine Eigendarstellung sein soll, sondern wirklich im Dienste der Musik steht. Und allen potenziellen Partnern kann ich hiermit nur ausrichten, wir glauben an die Längerfristigkeit vom New Sound Festival, nächstes Jahr könnte es schon ein Fixtermin im Kalender von Bookern und Agenten sein.

Wie schauen Kooperationen aus, gibt es mediale Unterstützung ?

ROTERMUND: Da bewegen wir uns quasi im Parallellauf zu den Künstlern, es gibt so viele gute Musik, nämlich gute, die nicht gehört wird, dass es ein wirklicher Glücksfall ist, wenn eine große Radiostation auf dich aufspringt. Dann aber, hat man es meistens geschafft oder zumindest einen großen Schuh in der Tür.

In ganz anderen Dimensionen bewegen sich zwei Großveranstaltungen Ihrer Agentur, die im Frühsommer über die Bühne gehen werden. Was gibt es darüber zu sagen ?

ROTERMUND: Sie meinen One Direction und AC/DC? Ja, das sind Veranstaltungen, die in einer ganz anderen Liga spielen und auch ihre eigenen Gesetze haben. Bei One Direction, das wir zB. zusammen mit den Kollegen von Skalar veranstalten, werden wir diesmal viel Security-Personal haben, nämlich 1500, wie noch nie. Wir müssen auch den Kartenverkauf sehr strikt regeln, kein Einlass für U12 in den Innenraum, das Stadion wird in viele verschiedene Sektoren geteilt, um die größtmögliche Sicherheit für unser weitgehend sehr junges Publikum gewährleisten zu können. Es muss zB. ausreichend Wasser zur Verfügung stehen, damit die jungen Menschen, die ja stundenlang vorher schon auf ihre Idole warten, nicht hyperventilieren, andererseits weiß man nicht, ob es Anfang Juni nicht wieder kalt wird. Wir versuchen unser Optimum, aber alles kann man nicht berechnen. Selbiges gilt für AC/DC, das wird mit über 100.000 Zuhörern zum größten Event in Österreich. Das Konzert wird beim Spielbergring in Zeltweg/Steiermark stattfinden, da gehört vom Verkehrskonzept über Hotellerie /Gastronomie /Campingplätze bis hin zum Bühnenaufbau alles penibelst vorbereitet. Diese Großveranstaltung ist natürlich auch eine Belebung für eine eher tote Gegend, da profitiert jeder, der mitmachen will.

Zahlen sich solche Megakonzerte finanziell aus ?

ROTERMUND: Eines ist doch klar, nur aus Liebe zur Branche veranstalten wir nicht. Dennoch ist es kein Geheimnis mehr, dass die Bands am meisten profitieren. Als Veranstalter ist es natürlich eine Herausforderung, solch ein Konzert reibungslos und mit der größtmöglichen Sicherheit für unsere Besucher über die Bühne gehen zu lassen, aber ich kann Ihnen versichern, es sorgt für genügend schlaflose Nächte.

Sie haben ja dann noch immer Ihre Konzerte wie Helene Fischer oder James Last, wo man sich entspannen kann.

ROTERMUND: Ich versuche zu allen Shows unserer Künstler, ob mir jetzt ihre musikalische Richtung zusagt oder weniger, zu gehen. Sie haben sich Respekt aufgrund ihres Könnens verdient, sonst würden sie nicht da oben stehen.

Zu guter Letzt, haben Sie sich richtig entschieden, als Sie nach Wien wechselten ?

ROTERMUND : Aber ja ! Ich möchte noch viel aufbauen und hoffentlich im positiven Sinn Anstöße liefern. In Wien gibt es noch so viel Entwicklungspotenzial. Insbesondere empfehle ich dringend, Monopole aufzuweichen, die erstens nicht mehr zeitgemäß sind und zum anderen frischen Wind durch Wettbewerb entstehen lassen würden. Wien hat die Chance zur Veränderung !