Jeder kennt es, dass man meist als Jugendlicher zu Songs mitsang und oft ganz andere Worte verwendete als der ursprüngliche Text – rein nach Gehör fremdsprachige Lieder mitzusingen ist gar nicht so leicht. Aber das sind oft ganz banale Irrtümer, während hingegen die Verschwörungstheoretiker vor allem in Lyrics von Hardrockbands ihre obstrusen Thesen oft bestätigt sahen.
Zum Glück gibt es den unermüdlichen Musikjournalisten Michael Behrendt der sich in seinem aktuellen Buch 99 1/2 missverstandener Songs annimmt. Regnet es tatsächlich nie in Kalifornien? Taugt Peter Schillings »Major Tom« wirklich als Torhymne? Und heißt es in Bob Dylans Klassiker Blowin’ in the Wind vielleicht doch: The ants are my friends?
Mit Verve führt Michael Behrendt durch die wundersame Welt der missverstandenen Songs – vom harmlos-unabsichtlichen Auf-der-Leitung-Stehen bis hin zur gezielten Songmisshandlung. Die Bandbreite ist enorm das geht von der EAV über Xavier Naidoo bis hin zu Woodie Guthrie. Viele der Songs hört man nach der Lektüre mit ganz anderen Ohren, meist muss man sich selbst an der Nase packen, dass man so falsch lag.
Michael Behrendt: Verhört, verkannt, vereinnahmt.
99 1/2 missverstandene Songs (Reclam) Euro 18,-