Würde man den aktuellen Roman des US-Schriftstellers Richard Price anders lesen, wenn man nicht wüsste, dass er ein vielbeschäftigter und vielfach geehrter Drehbuchschreiber ist u.a. für Martin Scorsese oder Kultserien wie „The Wire“ oder „The Deuce“?
In jedem Fall hat er ein untrügliches Gespür für Timing und Dialogwitz. Hier passt jede Pointe und auch wenn die ganze Geschichte einem vielleicht ratlos zurücklässt, die einzelen Personen werden eindrücklich vorgestellt.
Richard Price wurde in der Bronx geboren, dort wuchs er auf, er studierte in New York City, heute, in seinen Siebzigern, lebt er in Harlem. Mit seinem neuen Roman „Lazarus Man“ begibt er sich auf Spurensuche nach einem Unglück, das im Jahr 2014 East Harlem erschütterte. Damals verursachte ein Gasleck den Einsturz eines fünfstöckigen Wohnhauses und forderte zahlreiche Menschenleben.
Price verortet dieses Ereignis ins Jahr 2008. Ohne Vorwarnung stürzt ein fünfstöckiges Mietshaus ein, das ganze Viertel versinkt im Chaos. Die Rauchwolke steht dicht über dem Berg aus Schutt, als Rettungsdienste und Medien eintreffen. Als eigentlich keiner mehr mit Überlebenden rechnet, wird Anthony Carter aus den Trümmern geborgen, unversehrt, aber nicht mehr derselbe. Dieser wird aufgrund seines rhetorischen Talents nach seiner Rettung zum gefragten Interviewpartner, der auch tatsächlich ein bewegtes Leben hinter sich hat und von den Medien „The Lazarus Man“ genannt wird.
Aber auch die anderen Personen sind typische Bewohner von New York und diese Stadt spielt natürlich für die Geschichte eine große Rolle. Auch als Kontrapunkt zur Trumpschen Politik. Und ein großesLob für den Übersetzer!
Richard Price: Lazarus Man (S.Fischer), übersetzt von Henning Ahrens, Euro 26.-