Ein Gewitter braut sich zusammen

Im Deutschen lockt einem der Titel auf eine falsche Fährte, denn das Pfarrhaus in dem sich die Geschichte abspielt, ist nicht in einer englischen Idylle angesiedelt sondern in Indien. Der Originaltitel ist mit „The Mission House“ weniger missverständlich, aber beide treffen den Kern der Geschichte.
Es beginnt relativ harmlos damit, dass Hilary Byrd, Bibliothekar aus dem englischen Petts Wood, Junggeselle, sich mit Anfang 50 an einem Wendepunkt in seinem Leben befindet. Und so reist er in einem Akt mutiger Verzweiflung nach Indien, wo die Hitze den Mann bald in die Berge treibt.
An einen wunderschönen Ort inmitten von Teeplantagen – einer »hill station«, wo einst britische Kolonialbeamte in kühler Bergluft ihre Sommerfrische verbrachten. Dort wird Hilary Byrd von einem Pfarrer aufgenommen – und schließt zwei ungewöhnliche Freundschaften. Mit einem Einheimischen, der ihn in seiner Rikscha herumfährt. Und mit der jungen Haushälterin des Pfarrers – einer klugen, stillen Frau aus der christlichen Minderheit des Ortes. Und dieser verschlossene Einzelgänger lebt – für seine Verhältnisse immens auf und glaubt sogar, dass er sich in Priscilla, die ihn jedoch „Onkel“ nennt, verliebt hat. Der Pfarrer hat jedoch andere Pläne für die junge Frau und die wiederum eigene. Bis es soweit ist, werden gemeinsam Scones und Shortbread gebacken, neue Kleider genäht, viel gelesen und geplaudert.

Ach wäre es doch eine Liebesgeschichte geblieben, aber die Autorin wollte mehr und es ist ihr famos gelungen aus einer Gesellschaftsgeschichte eine politische zu machen.
Nur in kleineren Nebensätzen kommen die unterschiedlichen Ausrichtungen von Religion zur Sprache, es wird nicht gewertet, die Verschiedenheiten spielen in der Abgeschiedenheit der Berge eigentlich keine Rolle und doch kommt es zu einer Tragödie.
Carys Davies: Das Pfarrhaus (Luchterhand), übersetzt von Eva Bonné, Euro 25,-