Amadeus-Übergabe im Hawelka

2 freundliche Herrn im Gespräch? BP Van der Bellen überreicht den Lebenswerk-Amadeus an André Heller

Die 20. Amadeus Austrian Music Awards werden heuer coronabedingt im Rahmen einer voraufgezeichneten TV-Show ohne Publikum verliehen, die am 10.9.2020 um 20:15 Uhr in ORF 1 ausgestrahlt wird. Die Verleihung des Lebenswerk-Amadeus ging nun schon im Vorfeld in einer der Wirkungsstätten Hellers über die Bühne bzw. über den Kaffeehaustisch: Alexander Van der Bellen und André Heller trafen sich im Café Hawelka, wo der Bundespräsident dem Ausnahmekünstler die goldene Lebenswerk- Trophäe überreichte.
André Heller ist eine der überlebensgroßen Figuren der österreichischen Pop-Historie, vielleicht sogar mehr als das: als Lied-Autor und Interpret, Radiomoderator, Labelbetreiber, Financier, Anstoßgeber, Netzwerker und Querdenker hat er Entscheidendes zur Entstehung und Emanzipierung der hiesigen Szene beigetragen.
Aufgewachsen als Sohn eines, vor den Nazis geflohenen, Süßwarenindustriellen der 1945, als mittlerweile französischer Offizier, nach Österreich zurückkehrte, zählte er 1967 zu den Mitbegründern des Senders Ö3 und moderierte u.a. als DJ Andreas „Die Musicbox“. Zugleich startete er im Dunstkreis der ersten Austropop- Gehversuche eine eigene Karriere als Chansonnier: 1968 produzierte er Album „Nr. 1“ (das auch genau diesen Titel trug), bis 1985 veröffentlichte er insgesamt 14 Alben. Er arbeitete mit österreichischen Größen wie Robert Opratko, Toni Stricker, Peter Wolf, Wolfgang Ambros und Helmut Qualtinger zusammen, nahm aber auch mit vielen internationalem Größen, wie Astor Piazzola, Chaka Khan, Freddie Hubbard, Joe Henderson oder Brian Eno auf.
Trotz großer Erfolge – darunter Tourneen bis nach Israel, zwölf Gold- und sieben Platin-Auszeichnungen – wandte sich Heller ab Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts verstärkt aufwändigen Inszenierungen, Spektakeln und Installationen zu. Zu nennen wären hier u.a. das Varieté „Flic Flac“, Feuertheater in Lissabon und Berlin, Musikshows in Europa, Asien, Afrika und Amerika, Flugskulpturen, der von Weltkünstlern gestaltete Vergnügungspark Luna Luna, die Erfindung und Einrichtung der Swarovski Kristallwelten in Wattens und die Erschaffung des Gartens und Museumsprojektes „Anima“ in Marrakesch.
Auch als Buchautor und Filmemacher trat Heller immer wieder in Erscheinung. Zuletzt schuf er eine spektakuläre Rosenkavalier Inszenierung an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin.
Ein Universal-Poet? Hellers Talent zur verschwenderischen Erforschung und Ausstellung des eigenen Ichs kommt vielleicht am deutlichsten und sinnlichsten in seinem musikalischen Ouevre zur Wirkung: vom Wienerlied bis zum artifiziellen Pop-Kunstwerk, vom weltmusikalischen Flirt bis zur Bob Dylan-Coverversion durchzieht eine ungeheure Bandbreite seine Biographie.
Ende 2019 kam mit „Spätes Leuchten“ ein überraschendes Postscriptum zu Hellers Musikschaffen auf den Markt, das Album wurde von Kritik und Publikum gefeiert. Eine umfassende Würdigung seines eigenwilligen und im deutschsprachigen Raum unerreichten musikalischen Werks ist überfällig und wird nun mit der Verleihung des Lebenswerk-Amadeus verwirklicht.