Mechthild Bartolomey steht seit 2009 als künstlerische Leiterin an der Spitze des Attergauer Kultursommers.(Foto: Katharina Schiffl)
Im sogenannten „besten Alter“ befindet sich der Attergauer Kultursommer, der vor 45 Jahren gegründet wurde. Seit 2009 ist Mechthild Bartolomey für das Festival zuständig und hat es sukzessive erweitert. Wie es ihr gelingt, viele verschiedene Geschmäcker zu vereinen und die Begeisterung auch an Jüngere weiterzutragen, erklärt die Musikkennerin im FSM-Interview.
Frage: 45 Jahre Attergauer Kultursommer – eine Erfolgsgeschichte. Wie begann alles, und wie hat sich das Festival entwickelt?
MECHTHILD BARTOLOMEY: Es begann 1981 mit einem Benefizkonzert zugunsten einer neuen Orgel für die Pfarrkirche. Daraus hat sich ein künstlerisch hochwertiger Fixpunkt der sommerlichen Kulturlandschaft entwickelt, der weit über unsere Landesgrenzen hinausstrahlt. Leidenschaftliche Künstler, Höchstleistung, atmosphärische Spielstätten, kulturinteressierte Menschen und eine wunderschöne Landschaft – all das macht Attergau Kultur einzigartig und hat unser Festival zu einem sommerlichen Hotspot gemacht.
In den letzten Jahren kamen zwei weitere Säulen hinzu: Kulturwinter und die Internationalen Nikolaus Harnoncourt Tage. Wie kam es dazu?
Aufgrund der hohen Akzeptanz unseres Publikums konnten wir das Angebot erweitern. Die Kulturwinter-Events und die Harnoncourt-Tage ziehen auch außerhalb der Sommermonate Menschen in die Region und schaffen Orte der Begegnung. Es ist schön zu sehen, wie gerade die Winterangebote von den Einheimischen angenommen werden. Das Neujahrskonzert am 5.1. ist immer ausverkauft, rund 800 Besucher.
Wie setzt sich das Publikum zusammen?
Im Sommer kommen viele Feriengäste mit Zweitwohnsitz aus Wien und Linz, außerdem Gäste aus Salzburg und Bayern. Unterjährig ist das Publikum überwiegend einheimisch. Vielfalt beim Programm und Publikum ist mir wichtig – ich möchte so viele Menschen wie möglich erreichen und Freude bereiten.
Gab es eine besondere Motivation, dieses umfangreiche Programm zu gestalten?
Vor Jahren wurde ich von meinem Vorgänger gefragt, ob mir ein Programm einfiele – nichts leichter als das für mich, da ich schon immer mit Kultur zu tun hatte und natürlich auch aufgrund der Arbeit meines verstorbenen Mannes (Cellist Franz Bartolomey † 1. Dezember 2023) ein entsprechendes Netzwerk vorweisen kann. Die Programmierung macht mir immer große Freude. Ich versuche wirklich immer mit Neuem zu überraschen und es freut mich sehr, wenn meine Vorschläge auch von den Künstlerinnen so wertgeschätzt werden. Als ich zB. heuer Birgit Minichmayr vorschlug „Peter und der Wolf“ mit den Philharmonix zu machen, war sie hellauf begeistert.
Wie finanziert sich der Attergauer Kultursommer?
Neben Kartenverkäufen gibt es Subventionen und tatkräftige Unterstützung. Das Land OÖ unterstützt, Gemeinden helfen bei Veranstaltungsräumen, Ausstattung und Aufbau. Leider ist heuer die Subvention vom Bund gestrichen worden.
Warum wurden Subventionen gestrichen, und wie wirkt sich das aus?
Die Begründung war, dass zu wenig zeitgenössische Musik gespielt werde. Das Festival verfolgt eine gewisse Linie in höchster Qualität, wir bieten von Alter Musik bis Literatur viele Genres an, aber viele Menschen wollen in der Urlaubszeit auch einfach nur gut unterhalten werden. Wenn der Kulturminister das anders sieht, ist das schade für Initiativen, die künstlerischen Anspruch und Publikum vereinen. Wichtig ist mir auch, allen auftretenden Künstlern eine faire Gage zu zahlen.
Ist das Budgetproblem tatsächlich realistisch lösbar?
Ja, obwohl ich unsere Kartenpreise für zu niedrig halte, weshalb wir auch Publikum speziell aus dem Bundesland Salzburg gewinnen. Oft sind teure Festspiele andernorts der Grund, dass manche nicht mitschwimmen. Es gibt Phänomene: Stars wie Rudolf Buchbinder sind in der höchsten Preisklasse schnell ausverkauft, während mittlere Preisklassen bei kleineren Acts problematisch sein können. Insgesamt sind wir zufrieden. Wir arbeiten mit einem sehr kleinen Team, daher fallen Kosten überschaubar aus. Manche Locations wie Schloss Kammer am Attersee sind aber finanziell für uns nicht tragbar.
Welche Rolle spielt die Region insgesamt für das Festival?
Die Region ist zentral, aber es gibt Herausforderungen. Ich versuche, in der Programmierung immer wieder eine Verbindung zum Attersee/Attergau zu setzen. Ganz pragmatisch sehe ich die fehlende Hotellerie und Gastronomie speziell in St. Georgen als Problem, weil Künstlerinnen und Künstler Übernachtungsmöglichkeiten brauchen und oft nur eine Nacht bleiben können. Außerdem fehlt durch das Wirtshaussterben ein sozialer Raum.
Hinweis zur Zukunft: Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre?
Weiterhin Publikum begeistern, hochwertige Programme anbieten, faire Gagen sichern und regionale Strukturen stärken – damit Attergauer Kultur auch künftig ein bleibt.
Attergauer Kultursommer: 10.Juli-14. August, Programm