Du gehörst eh schon dazu!

Es wird nichts Besseres geben, um gegen den in Wien vorherrschenden Opernball-Wahn gewappnet zu sein, als die Lektüre von Stefanie Sargnagels Buch über ihren Ball-Besuch. Das ist so komisch, so entlarvend, so wahr, man glaubt ihr jedes Wort und seien es die abgebrochenen Zehen und die Begegnungen mit der heimischen (Möchtegern) Prominenz. Das Namedropping ist 100 % getroffen!

Man muss sie ja direkt bewundern, dass sie sich diese Veranstaltung schon zweimal antat, dh. sie hat sich wieder geschminkt, geschnürt, zurechtgemacht, um sich auf das härteste Parkett der Welt zu begeben und scheitert dann an so Widrigkeiten wie dem Besuch der Kantine. Und wenn dann die Begleitung etwas abwertend meint: Du gehörst eh schon dazu“, dann kommen Sargnagel Zweifel an ihrer Rolle als vogelfreie Künstlerin.
Neben dem ganzen Spaß den sie auf knapp 80 Seiten vorträgt, werfen ihre Beobachtungen auch ein Schlaglicht auf die unheimliche Schnittmenge von Kultur, Kapital und Macht. Wie wichtig der Opernball in Österreich genommen wird, zeigt sich auch darin, dass der ORF mit der Übertragung immer eines seiner Quoten-Highlights einfährt.
Stefanie Sargnagel: Opernball. Zu Besuch bei der Hautevolee (Rowohlt), Euro 18,-