Christoph Gruber ist ein vielseitiger Akteur mit über 20 Jahren Erfahrung in der Musikbranche. Neben seiner Tätigkeit als freischaffender Musiker ermittelt er im Auftrag der Musikindustrie die Ö3 Austria Top 40.
www.christophgruber.com
Im Februar startet wieder ein Diplom-Lehrgang zum Thema „Musikbusiness“, der sich sowohl an Neulinge als auch als Weiterbildung ausgerichtet ist. Gerade weil sich die Musikbranche so dramatisch ändert, ist Wissen und Vernetzung umso wichtiger, meint Lehrgangsleiter Christoph Gruber im FSM-Interview.
Zum wievielten Mal startet im Februar der Lehrgang „Musikbusiness“?
Der Lehrgang wurde 2016 gemeinsam mit dem Verband der österreichischen Musikindustrie – IFPI Austria – als Weiterbildungsangebot im Bereich Musikbusiness konzipiert. Ziel war es von Beginn an, einen kompakten „Crashkurs“ zum Thema Musikbusiness anzubieten. Seither findet der Lehrgang einmal jährlich statt und startet am 12. Februar 2026 bereits zum 8. Mal.
An wen richtet sich das Angebot?
Der Lehrgang ist als berufsbegleitender Kompaktlehrgang konzipiert und richtet sich sowohl an Neulinge als auch an Personen, die bereits seit vielen Jahren in der Musikbranche tätig sind und besser verstehen möchten, wie andere Bereiche des Marktes funktionieren. Er ist bewusst nicht auf ein bestimmtes Berufsbild ausgerichtet und spricht eine breite Zielgruppe an – von Mitarbeiter:innen in Labels, Verlagen, Konzertagenturen und Medien bis hin zu Manager:innen und Musikschaffenden, die sich intensiver mit den wirtschaftlichen Aspekten ihres Berufs auseinandersetzen wollen.
Welche besonderen Schwerpunkte setzen Sie im Vergleich zu ähnlichen Angeboten?
Das Spannende am Lehrgang ist sein offenes Konzept: Von Anfang an war es das Ziel, das Musikbusiness aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Größenordnungen zu beleuchten. Alle Module werden von Personen unterrichtet, die seit vielen Jahren in ihren jeweiligen Bereichen tätig sind und ihre Erfahrung direkt aus der Praxis einbringen. Dadurch orientieren sich die Inhalte konsequent an den aktuellen Gegebenheiten des Musikmarkts.
Der Lehrgang ist dabei bewusst nicht auf ein bestimmtes Musikgenre ausgerichtet. Gerade die Inputs aus unterschiedlichen Genres – und damit aus unterschiedlichen Lebensrealitäten und Geschäftsmodellen – sind ein zentraler Mehrwert. Diese Vielfalt hilft, eigene Denkweisen zu hinterfragen, blinde Flecken im Wissen aufzudecken und voneinander zu profitieren.
Welche primären Kompetenzen sollen Absolvent:innen in der sich ständig veränderten Welt der Musikbranche erwerben, anders gefragt, was sehen Sie als die wichtigsten Kenntnisse an?
Der Lehrgang vermittelt vor allem eines: das Verständnis dafür, dass das Musikbusiness ein relevanter Wirtschaftssektor in Österreich ist – und dass Erfolg in diesem Umfeld kein Zufall ist. Er entsteht durch klare Ziele, strategische Planung und professionelles Handeln. Entsprechend stehen drei Dinge im Zentrum: Fachwissen, Reality Check und Vernetzung. Bereiche wie Marketing, Positionierung und Wertschöpfung werden dabei nicht als nachgelagerte Aufgaben verstanden, sondern als integraler Teil des künstlerischen Prozesses, in dem Musik als Lifestyle und nicht nur als Produkt verstanden und transportiert wird.
Der Lehrgang ist aus der Praxis für die Praxis konzipiert und vermittelt ein fundiertes Verständnis der Zusammenhänge, Rollen und Arbeitsweisen im österreichischen Musikbusiness. Der Praxistransfer erfolgt über eine durchgängige Projektarbeit: Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer arbeiten während des gesamten Lehrgangs an einem konkreten Projekt – mit einem Artist, einer Band, einem Ensemble oder dem eigenen künstlerischen Vorhaben. Das Gelernte wird dabei laufend angewendet und in der „echten Welt“ erprobt.
Welche Veränderungen sind seit Start des Lehrgangs am Markt zu beobachten?
Die Entwicklungen allein seit Einführung des Lehrgangs zeigen deutlich, wie stark sich das Musikbusiness verändert hat – und weiterhin verändert. Klassische Strukturen brechen immer mehr weg oder organisieren sich neu: von Umstrukturierungen bei den Major-Labels über den stark rückläufigen Verkauf von Tonträgern über klassische Handelsketten, die ihr Musikangebot deutlich zurückschrauben. Gleichzeitig verlagert sich die Vermarktung zunehmend direkt zum Fan. Die Einnahmestrukturen werden fragmentierter und vielfältiger, ein Großteil der Einnahmen entsteht jedoch nach wie vor im Live-Bereich. Diese Verschiebungen erfordern ein hohes Maß an Überblick und Anpassungsfähigkeit.
Welche Empfehlungen geben Sie Newcomern, die eine Karriere im Musikbusiness anstreben?
Für Musikschaffende gilt nach wie vor: Macht die Musik, die euch am Herzen liegt. Kunst sollte sich keinen kurzfristigen Trends oder Marktmechanismen unterordnen. Parallel dazu ist es jedoch sinnvoll, ein Team aufzubauen, um auf der wirtschaftlichen Seite professionell unterstützt zu werden.
Newcomern tut man meiner Ansicht nach keinen Gefallen, wenn man das Musikbusiness schönredet. Es ist eine harte, aber auch schöne Branche, die einen langen Atem erfordert. Gleichzeitig braucht es mehr junge Menschen, die mit einem guten Verständnis des Marktes und einem fast schon naiven Größenwahn die Zukunft der Musikwirtschaft mitgestalten wollen. Genau hier setzt der Lehrgang an: Er vermittelt das nötige Verständnis für diese Dynamiken und bietet einen geschützten Rahmen, um sich über einen längeren Zeitraum intensiv mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Haben Sie Wünsche an die Branche, wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?
Mein zentraler Wunsch an die Musikwirtschaft ist, dass es gelingt, die vielen bestehenden Parallelwelten stärker miteinander zu vernetzen. Der Markt ist noch immer stark fragmentiert – es fehlt eine übergeordnete Gesamtstrategie. Ich halte es jedoch für möglich, mit einem gemeinsamen Blick auf das Ganze den Musikmarkt neu zu denken und die Kräfte aus den unterschiedlichen Bereichen zu bündeln. Letztlich geht es um Existenzberechtigung und darum, stabile und faire wirtschaftliche Lebensgrundlagen zu schaffen.
Ziel muss es sein, tragfähige Lebensmodelle für Musikschaffende und die davon abhängigen Akteur:innen der Branche zu ermöglichen. Dafür braucht es Ansätze, die sich an den aktuellen Realitäten des Marktes orientieren, ebenso wie eine bessere Verschränkung bestehender Strukturen. Gelingt es, diese Kräfte zu bündeln, können Win-Win-Situationen entstehen: mehr Publikum, stärkere heimische Strukturen und ein nachhaltig gestärkter Musikstandort Österreich.
Der Lehrgang versteht sich in diesem Zusammenhang als eine Plattform, um dieses Anliegen gemeinsam mit dem Team der Vortragenden gebündelt, strukturiert und praxisnah in den Markt zu tragen.
Online-Infoveranstaltung
13.01.2026, 18:00 Uhr
Musikbusiness – Diplom-Lehrgang
Start: 12.02.2026
www.wifiwien.at/kurs/28225x
Vortragende
Thomas Auböck – Verwertungsgesellschaften
Eva-Maria Bauer – Rollen und Aufgaben: Labels, Verlage und Musikmanager:innen
Thomas Böhm – Österreichischer Musikmarkt
Maria Brachmanska – Social Media
David Buder – Musiklabel
Echopilot – Exkursion
Christoph Gruber – Lehrgangsleitung, Coaching
Franz Hergovich – Musikverträge
Lara Heußner – Musikmarketing
Paulina Parvanov – PR und Kommunikationsstrategie
Matthias Pirngruber – Musikmanagement
Wolfgang Renzl – Urheberrecht
Nadine Rosnitschek – Musikjournalismus
Tina Ruprechter – Musikmarketing, Diversität und Gleichstellung im Musikbusiness
Siegfried Samer – Streaming
Martin Schlögl – Basiswissen Live-Business
Bettina Schöll – Förderungen (Musikfonds)
Martin Seiwald – Förderungen (Bund)
Fiona Schedler – Verlagswesen
Georg Steker – Förderungen (Allgemein)
Andy Zahradnik – Pressearbeit im Musikbusiness