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Filmarchiv: „King of Silents – Gerhard Gruber zum 75. Geburtstag“

30. April / 19:00 - 21:30

Das Filmarchiv Austria würdigt den Stummfilmmusiker Gerhard Gruber mit einer Veranstaltungsreihe vom 30. April bis 05. Mai 2026.

Seit über drei Jahrzehnten ist der 1951 im Mühlviertel geborene Pianist Gerhard Gruber ein international profilierter Stummfilmbegleiter. Ursprünglich fasziniert ihn Jazzmusik, seine Neugierde führt ihn jedoch früh zum Kino, wo er sich bald einen Namen als Spezialist für die Klassiker des frühen Kinos macht. Internationale Festivalauftritte, Kooperationen mit Archiven und Kinematheken sowie zahllose Einladungen zu Retrospektiven, die ihn um den ganzen Globus führen, markieren wichtige Stationen einer Karriere, die ganz im Zeichen des Dialogs von Bild und Klang steht.
“Ich versuche, das Klavier wie ein Orchester zu spielen”, sagt er – und entfaltet am Instrument eine Bandbreite, die von fein ziselierten, kammermusikalischen Passagen bis hin zu wuchtigen Akkordkaskaden reicht. Zentral ist dabei die Improvisation, ohne dabei beliebig zu sein. Sie speist sich aus der genauen Kenntnis der Dramaturgie, aus Rhythmusgefühl und einem ausgeprägten Gespür für atmosphärische Nuancen. Gruber versteht seine Arbeit nämlich nicht als bloße Untermalung, sondern als eigenständige künstlerische Interpretation.

Besonderes Augenmerk legt er dabei auf die innere Bewegung eines Films: Tempo, Atem, Pausen. Seine Musik entsteht aus der Struktur der Bilder heraus, wie anhand der vier Filme, die Gruber für dieses Tribute ausgewählt hat, hörbar wird. In “Orlac´s Hände” (AT 1924) etwa reflektiert er die Identitätskrise des Pianisten mit den “eigenen” Händen – eine bewusste Spiegelung von Filmfigur und Interpret. Für ”Die Stadt ohne Juden“ (AT (1924) wiederum wählt er eine “behutsame Herangehensweise”, die individuelle Schicksale betont und zugleich die politische Dimension des Stoffes erfahrbar macht, ohne sie plakativ zu akzentuieren. Und wenn Monumentalfilme wie “Die Sklavenkönigin” (AT 1924) nach klanglicher Opulenz verlangen, treibt er das Geschehen pulsierend voran, ohne die emotionale Feinzeichnung aus dem Blick zu verlieren. Seine Begleitungen sind niemals festgeschrieben, sondern entstehen im Moment – und machen jede Auführung zu einem unwiederholbaren Ereignis.

So wird das Kino wieder zu dem, was es einst war: ein lebendiger Raum, in dem Musik und Bild einander herausfordern, kommentieren, widersprechen – und gemeinsam etwas Drittes entstehen lassen.
Filmarchiv Austria
Quelle: Filmarchiv Austria/Florian Widegger

Mit seiner Autobiografie “Stummfilmleben” richtet sich der international renommierte Stummfilmmusiker Gerhard Gruber an Kino- und Musikliebhaber:innen, an Reisefreudige und alle, die sich fragen, wie man Stummfilmusiker wird und was hinter einem ungewöhnlichen Lebensweg steckt. 

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