Wo anfangen bei der Beschreibung dieses Buches? Man könnte so systematisch vorgehen, wie die Autorin selbst, man könnte die Arbeit der Übersetzerin loben, dem Verlag für den gelungenen Titel + Cover hervorheben, die persönliche Odyssee der Verfasserin nacherzählen oder sich generell über die politische Situation in Russland aufregen. Oder man ist dankbar, etwas aus einer Welt erfahren zu haben, die eher nicht zum Allgemeinwissen gehört. Wer weiß schon, wie es aserbaidschanischen Frauen geht, wer weiß schon wie es Aserbaidschanern in der Diaspora geht und um es auf die Spitze zu treiben, wie es einer aserbaidschanischen, queren Frau geht, die nicht Mutter werden möchte?
Um es knapp zu sagen: tauschen möchte man nicht.
»Ein unverheiratetes, unschuldiges Mädchen lässt sich leicht von einer verheirateten Frau unterscheiden: Der erste und wichtigste Unterschied sind die Augenbrauen.« Die aserbaidschanische Community, die in Russland in der Diaspora lebt, ist streng konservativ. Schon als Kind kann sich die Erzählerin schwer in die patriarchale muslimische Gesellschaft einfügen. Eine Krankheit drängt und befreit sie zugleich aus ihrer Rolle der schönen, heiratsfähigen Tochter …“
Jegana Dschabbarowa zeigt in ihrem ersten Roman eine verborgene Welt. Sie erzählt ihre eigene und die Geschichte der Frauen ihrer Familie ganz direkt und entlang ihres Körpers und verblüfft mit Eleganz und der poetischen Kraft ihres Erzählens. Wie politisch so eine vermeintlich private Geschichte sein kann, zeigt, dass die Autorin nach Erscheinen des Buches aus Russland flüchten musste und nun in Hamburg lebt.
Jegana Dschabbarowa: Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt (Zsolnay), übersetzt von Maria Rauer, Euro 23,-
„Ich vergesse mein Fremdsein nie“