Keine Sau wird es schmecken

Dieses Buch müsste bei jedem guten Fleischer aufliegen, um die Konsumenten daran zu erinnern, nie, aber wirklich nie wieder fertig abgepacktes Fleisch im Supermarkt zu kaufen. Nach der Lektüre dieser kurzen Geschichte wird man es auch nicht mehr machen wollen.
Das Debüt des niederländischen Schriftstellers Manik Sarkar erinnert ein wenig an das seiner Landeskollegin Gaea Schoeters, die vordergründig auch so harmlos schreibt und einem dann komplett umwirft. Natürlich spielen die einsamen, unbeugsamen, meistens Männer in der Literatur schon immer eine große Rolle und man könnte beim Metzger Rensing junior natürlich auch gleich an Helmut Qualtinger in seiner Rolle als Oskar in „Geschichten aus dem Wienerwald“ denken, aber dieser „Ochsenkopf“ hat sich einen eigenen Platz verdient.
Präzision im Handwerk gilt für den Fleischhauer genauso wie für den Schriftsteller. So stechend scharf der Schnitt beim Töten der Tiere sein muss, so scharfsinnig führt Manik Sarkar anhand dieser Geschichte eine Gesellschaft vor, die nur möglichst billig durch das Leben kommen will und sich weder um das Schlachtvieh noch um den Einzelhandel Gedanken machen möchte.

Rensing junior brennt für die Welt der Fleisch- und Wurstwaren, schon als Kind hilft er dem Vater in der Metzgerei. Er will alles moderner und effizienter machen. Noch wichtiger aber ist ihm die Qualität des Fleisches, nur das allerbeste ist gut genug für seine Kunden. Doch genau für diese Kunden fehlt ihm jedes Gespür. Stur versucht er seine Ideale zu verwirklichen, aber als immer mehr Dorfbewohner an seinem Geschäft vorbei zum Supermarkt gehen, wird sein Leben zunehmend zum Kampf eines einsamen Metzgers gegen den Rest der Welt …
Eine absolute Entdeckung!
Manik Sarkar: Ochsenkopf (Zsolnay), übersetzt aus dem Niederländischen von Ruth Löbner Euro 23,-

 

Buchpräsentation
Manik Sarkar liest: Ochsenkopf
Dienstag, 24.11.2026