Gustav Klimt Portrait von Prinz William Nii Nortey Dowuona (Foto: Interspot)
Es beginnt mit einem Foto, unscheinbar auf Papier festgehalten. Doch das Motiv darauf ist alles andere als gewöhnlich. Im Frühjahr 2023 tritt ein Gemälde hervor: ein frühes Porträt eines afrikanischen Prinzen von Gustav Klimt – jahrzehntelang verschollen, entstanden in einer Phase künstlerischer Neuorientierung.
Die Dokumentation „Kunst Krimi Klimt“ zeichnet die Entstehung und die Wege dieses Bildes nach – von der forensischen Analyse über die Restaurierung bis zu seiner kunsthistorischen und gesellschaftlichen Bedeutung. Das Porträt stammt aus jener Zeit, in der Klimt seinen akademischen Stil hinter sich ließ und eine neue Bildsprache entwickelte. Während noch dekorative Elemente dominieren, klingen bereits jene kompositorischen Formen an, die später zu seiner unverkennbaren Handschrift werden.
Parallel dazu wächst im Europa des späten 19. Jahrhunderts das Interesse an fernen Regionen. In Wien werden sogenannte Völkerschauen zu Publikumsmagneten – Veranstaltungen, die koloniale Blickregime verfestigen und bis heute nachwirken. Aus diesem Umfeld stammt der Mann, den Klimt porträtiert. Doch die präzise Darstellung widerspricht den gängigen Bildmustern der Zeit: Menschen afrikanischer Herkunft werden selten individuell gezeigt, meist ohne Namen. Klimt hingegen schafft Nähe – ein Porträt auf Augenhöhe.
Der Film verfolgt die Anfänge gemalter Afrikanerinnen und Afrikaner in der europäischen Kunst und die Herkunft des Dargestellten. Die Spur führt bis nach Ghana, wo Kunstschaffende und lokale Entscheidungsträger entscheidende Hinweise liefern. Erstmals lässt sich der Mann klar in eine familiäre und kulturelle Linie einordnen – und erhält seinen Namen zurück: Prinz William Nii Nortey Dowuona.
Die zweite Hälfte der Geschichte ist geprägt von Verlust und Enteignung. In den 1920er Jahren gelangt das Porträt in den Besitz der jüdischen Familie Klein. 1938 verliert die Familie ihr Eigentum und flieht vor dem NS-Regime. Das Bild bleibt zurück und verschwindet für Jahrzehnte aus der Öffentlichkeit. Erst verstreute Dokumente, Briefe und Auktionsunterlagen ermöglichen es, seinen Weg durch Krieg und Nachkriegszeit zu rekonstruieren.
2025 wird das Porträt erstmals wieder öffentlich gezeigt. Die internationale Aufmerksamkeit macht deutlich, welche Bedeutung ein einzelnes Kunstwerk gewinnen kann, wenn es kunsthistorische, gesellschaftliche und politische Fragen zugleich berührt.
„Kunst Krimi Klimt“ verknüpft Kunstforschung, Kolonial- und Familiengeschichte zu einer vielschichtigen Erzählung – und macht ein lang stummes Bild zu einem Schlüsselobjekt zwischen Kontinenten, Epochen und persönlichen Schicksalen.
Zu Wort kommen unter anderem die Kunsthistoriker Alfred Weidinger, der rund zwei Jahrzehnte nach dem verschollenen Gemälde Gustav Klimts gefahndet hat, Klaus-Albrecht Schröder, Agnes Husslein, die Galeristen Lui Wienerroither und Ebi Kohlbacher sowie direkte Nachfahren des Portraitierten und der jüdischen Wiener Besitzerfamilie Klein.
Eine Koproduktion von Interspot Film, ORF und ZDF, in Zusammenarbeit mit ARTE. Gefördert von Fernsehfonds Austria und Filmfonds Wien.
Kunst.Krimi.Klimt: Der Dokumentarfilm rund um das Gustav Klimt Portrait von Prinz William Nii Nortey Dowuona von Regie-Duo Judith Doppler & Rudolf Klingohr wird am Montag 22. Dezember 2025 um 22:30 Uhr auf ORF 2 erstmals ausgestrahlt.