Ein höchst schlimmes Szenario hat sich die Autorin Angelika Overath für ihre Erzählerin ausgedacht: eine Frau, Mutter von zwei kleinen Kindern begibt sich auf eine Wanderung und lässt dabei ihr Leben Revue passieren. Das scheint zwar unkonventionell, aber nicht tragisch zu sein, erst bis sie ziemlich weit oben am Berg preisgibt, dass sie an ALS (Zerfall der Nervenzellen) leidet und ihrem Leben ein Ende des Churer Hausbergs Calanda setzen möchte.
Es ist absolut nachvollziehbar, dass sie sich einem langsamen Dahinsiechen verweigern möchte, aber könnte es nicht doch noch einen anderen Weg geben? Hat nicht gerade die Großmutter, die als Flüchtling nach Deutschland kam besondere Stärke gezeigt?
Dieses schmale Buch, das man sozusagen in der Zeit einer mittleren Wanderung ausgelesen hat, zeigt ungeheure Nachwirkungen. Die Gedanken kreisen, aber auch die schönen Momente, die sie in Istanbul oder auf dem Berg beschreibt, bleiben hängen. Ein intimes, ein mutiges Buch, das fragt, was ein lebenswertes Leben ausmacht.
Angelika Overath: Calanda oder Alvas Antwort (Luchterhand) Euro 24,-