Sie lässt sich lange Zeit, liefert dann einen recht schmalen Roman ab und hat doch wieder ein typisch deutsches Leben in vielen seiner Facetten eingefangen. Die Rede ist von der deutschen Autorin Ursula März (Tante Martl).
Ihre Kindheit in Mittelfranken, um genau zu sein in Herzogenaurach, wo die Menschen eingeteilt wurden je nachdem, ob sie bei Adidas oder Puma arbeiteten, die häusliche und gesellschaftliche Enge, der die Erzählerin mit ihrer Freundin entfliehen wollte, die ungewohnte Rolle, die sie als Tochter erfüllte, die Sparsamkeit, die Urlaube in Österreich – alles ist da, wie man sich die 1950er in Deutschland erzählte.
Von dieser Zeit erzählt sie in Rückblenden, denn in der Gegenwart befindet sie sich im unwirtlichen November auf der Insel Stromboli, wo sie im Sommer schöne Wochen verbrachte und unbedingt zurückkehren wollte. Die einzigen, die diese italienische Insel außerhalb der Saison als Urlaubsziel wählen, ist eine englische Familie, die in ähnlicher Familienaufstellung unterwegs sind, wie sie aufwuchs. Erinnert sie das Mädchen an ihre eigene Kindheit oder ihre eigene Tochter, der sie übrigens folgendes Versprechen abnimmt: „Lass mir den Vortritt, wenn es Zeit ist, zu gehen:“ Und warum kann sie nicht dem Rauchen aufhören?
Es ist eine kleine, stille Geschichte, die einem Ruhe verschafft und lange im Gedächtnis bleibt.
Ursula März: Mein gelber Pullover (Piper) Euro 22,-
Verschwundene Kinder