Ist der blumige Stil Absicht, um vom höchst unangenehmen Inhalt abzulenken? Braucht es die vielen Beschreibungen, um dann im spannendsten Moment nur lakonisch darüber zu schreiben? Oder schreibt Hal Abbott in seinem Debüt ganz einfach so ohne die LeserInnen auf falsche Fährten locken zu wollen?
Hat man sich einmal daran gewöhnt – ein großes Lob dem Übersetzer Jan Schönherr – wird man mit einer klassischen US-Familiengeschichte belohnt.
Amos und Emerson kennen sich seit mehr als dreißig Jahren. Trotz ihrer völlig unterschiedlichen Herkunft haben sie es beide zu einigem Wohlstand gebracht und führen ein Leben, wie sie es sich einst gewünscht haben: Ihre Ehefrauen sind eng befreundet, ihre jugendlichen Töchter zusammen aufgewachsen, ihre Tage strahlen die behagliche Lässigkeit eines New Yorker Großstadtlebens aus. Ihre Freundschaft kann nichts erschüttern – das glauben sie zumindest.
An diesem Wochenende in Emersons Landhaus jedoch spürt jeder: etwas ist anders. Schon bei der Hinfahrt wird angedeutet, dass nach diesem Wochenende nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Es mehren sich auch gleich komische Anzeichen wie ein Autounfall, eine zerbrochene Weinflasche, ein verstauchter Knöchel. Der Jubilar, Emerson wird 52, der vor Selbstvertrauen auch aufgrund seines materiellen Backgrounds strotzt, wird etwas machen, dass man nur unverzeihlich nennen kann. Aber war es wirklich so?
Alle Beteiligten begeben sich auf Spurensuche bzw.-verwischung, es entwickelt sich eine Dynamik in den beiden Familien, die zT überrascht und doch nichts entschuldigt.
Ebbott ist ein scharfsinniger Beobachter und kluger Psychologe. Man wird mitgerissen und dann lässt einem das Verhalten der Protagonisten doch wieder seltsam kalt. Eine gewisse Schadenfreude stellt sich beim Lesen ein, wenn man einmal mehr sieht, dass Fassaden oft nur großes Unglück verbergen.
Hal Ebbott: Unter Freunden (Claassen), übersetzt von Jan Schönherr Euro 25,-