Die Filmfestspiele von Cannes sind für den Jetset das wichtigste Datum im Mai, oftmals hat man den Eindruck, dass die Roben der Models wichtiger geworden sind als die Filme, aber dem Glanz der Croisette kann sich kaum jemand entziehen. Wie es dahinter aussieht, hat die französische Bestsellerautorin Karine Tuil absolut authentisch beschrieben.
Es beginnt mit dem Niedergang eines Präsidenten und endet im Eklat. Aber der Reihe nach:
Ein Jahr nachdem er den Élysée-Palast verlassen hat, ist der ehemalige Präsident Dan Lehman ein Schatten seiner selbst. Seine Ehe mit der detutschen Schauspielerin Hilda Müller ist nur noch Fassade. Er trinkt, wird in Gerichtsverfahren verwickelt und versucht mit einem Buch in die Medien zurückzukehren, während seine ihm entfremdete Frau wieder im Filmbiz Fuß zu fassen versucht. Auch seine Exfrau Marianne ist mit ihrem Roman über eheliche Gewalt , der verfilmt werden soll,erfolgreich. Ausgerechnet mit Hilda in der Hauptrolle, Regie führt ein sogenannter Kultregisseur, der natürlich davon träumt, die „Goldene Palme“ zu gewinnen. Und es scheint auch gut zu laufen, bis es in Cannes zum großen Showdown kommt.
Karine Tuil verbindet in einem packenden Gesellschaftsroman die Schicksale mehrerer Figuren miteinander und erzählt von den zerstörerischen Auswirkungen der Medienwelt auf Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen – aber vor allem von der Liebe. Neben dem genauen Blick auf die Medien- und Filmwelt („Ich wusste, dass die Filmbranche zu Cliquenwirtschaft, Vorurteilen und engstirnigen Etikettierungen neigt.“)ist der Roman natürlich auch ein wenig ein Blick hinters Schlüsselloch, wen sie wohl vor Augen hatte mit der Figur des ehrgeizigen Präsidenten, der Schauspielerin und der geschäftstüchtigen Produzentin.
So spannend sich die vordergründige Geschichte liest, ist sie auch eine Abrechnung mit Alkoholismus und einer verlogenen Männerwelt. Für alle, die in der Branche arbeiten, eine unbedingte Empfehlung.
Karine Tuil: Die Liebeshungrigen (dtv) Übersetzt von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch,Euro 25,-