Es wird immer brenzliger

Die Geschichte, die der israelische Autor Dror Mishani erzählt, ist zweifellos spannend, aber was das schmale Buch so faszinierend macht, ist die Erzählweise. Man glaubt fast, dass man selbst mitschreiben könnte, denn die Geschichte entwickelt sich ziemlich flexibel. Mishani duzt seine Hauptfigur, namens Eli und fragt sie immer wieder, wie glaubst du, wird es weitergehen? Und natürlich ist er der Profi und hat sich einen ganz besonderen Twist für diesen Liebesroman einfallen lassen. Man möchte nicht in der Haut von Eli stecken, denn die Situation wird immer brenzliger,
Ein Mann in seinen Fünfzigern. Er hat offenbar nichts mehr zu verlieren, obwohl noch so viel vor ihm liegt. Die Kinder sind aus dem Haus, KI bedroht seine Arbeit als Übersetzer. Vor allem hat der Tod seiner Frau alles infrage gestellt. Eine solche Liebe, da ist er sich sicher, wird er kein zweites Mal finden. Bis ihm bei gemeinsamen Freunden eine Cellistin begegnet. Es entspinnt sich, so leicht, als ob es Vorsehung wäre, ein verheißungsvolles Verhältnis, und plötzlich steht wieder alles auf dem Spiel.
Warum lügt man, wenn man dann ganze Zeit in der Angst leben muss, doch entlarvt zu werden? Warum ist es so schwierig sogar in einer beginnenden Liebesbeziehung die Wahrheit zu sagen? Kann es gutgehen, wenn von Anfang an Misstrauen geschürt wird?
Mishani stellt mit diesem Roman viele Fragen, die nicht leicht zu beantworten sind, vor allem wenn man so „situationselastisch“ reagiert wie seine Hauptperson.
Dror Mishani: Nicht (Diogenes), Aus dem Hebräischen von Markus Lemke, Euro 26,-