Wieder hat der in Deutschland geborene Cihan Acar einen Roman über die Nichtzugehörigkeit eines Menschen beschrieben wie schon im Vorgängerbuch „Hawaii“. Diesmal hängt die Hauptperson aber noch mehr zwischen den Stühlen, denn er ist nicht ein zu großem Wohlstand gekommener Deutsch-Türke, sondern er trägt eine Vergangenheit mit sich, die nie aufgelöst wird. Hat er Schuld am Tod zweier Menschen?
Cumali Karagöz ist ein wichtiger Mann in Steinheim, den viele bewundern, andere fürchten und einige hinter Gittern sehen wollen. Mit einem Glücksspielunternehmen zu Reichtum gekommen, lebt er mit seiner Familie in einem pompösen Anwesen; seiner Frau Hannah, die mit ihrer Rolle als Hausfrau fremdelt und davon träumt auszubrechen; seiner Tochter Zaha, die ihn idealisiert und verehrt; und seinem Sohn Ediz, der an sozialer Phobie leidet. Als Cumali ein großes Casino mit neuartigem Konzept eröffnen will, kippt die Stimmung in der Stadt und die Familie steht plötzlich am Pranger.
Die Geschichte ist höchst spannend aufgebaut, den Höhepunkt liefert der Eröffnungsabend mit Stargast Mike Tyson, das ist bei aller Dramatik auch schon sehr lustig, wenn der weltberühmte Boxer unbedingt einen Döner in Ruhe essen möchte.
Acar schreibt sehr ausgewogen, aber gewisse Spitzen gegen eine kleindeutsche Spießigkeit lässt er sich nicht entgehen und wie die verschiedenen Nachteulen aufeinander treffen ist ein würdiger Schluss!
Cihan Acar: Casino (Hanser Berlin) Euro 25,-