Mister Selbstbestimmung

Wenn man das richtige Personal hat, können auch in einem schmalen Roman große Menschheitsthemen verhandelt werden. Der körperlich stark beeinträchtigte 16-jährige Ingemar hat sowohl praktische Helfer, die ihm bei allen körperlichen Angelegenheiten behilflich sind als auch eine junge Schwester und einen 90-jährigen alten Freund, mit denen er Lebensansichten besprechen kann. Dabei geht es um Natur, Religion, Gerechtigkeit, Einsamkeit Ewigkeit, Krieg und Vergessen. Und der Ich-Erzähler, der nie ein Verhältnis zu Tieren hatte, lässt zu, dass eine Katze namens Milo seine Gefühle hervorkitzelt.
Grundsätzlich ist er ein „normaler Pubertierender, dem die Eltern auf die Nerven gehen, der ein wenig den Besserwisser rauslässt, der wissen möchte, was Sex ausmacht und die Schule über sich ergehen lässt. Außer, dass bei ihm das Leben ein sehr prognostizierbares Ablaufdatum hat und er selbst bestimmen möchte, wie lange er noch leben will.

Ein wenig länger wäre man schon gerne in die Welt von Ingemar eingetaucht, denn trotz einer tristen Ausgangslage muss man immer wieder über die Gedanken und Sprache lächeln, die so glasklar etwas anspricht, wovor sich viele fürchten. Und dabei geht es nicht um das Wort Krüppelkind oder das Bild vom im Meer nahe Grönland gestrandeten Trump.
Paulus Hochgatterer: Mio und die Unsterblichkeit (Zsolnay) Euro 23,-

Nächste Lesung: 15.9., Cinema Paradiso, St. Pölten