Was ist eine gute Mutter?

War es in ihrem letzten Buch eine ältere Frau („Eine Frau am Telefon”), steht diesmal eine Mittdreißigerin im Mittelpunkt der neuen Novelle von Carole Fives.
Diese Alleinerzieherin lebt mit ihrem knapp 2-jährigen Sohn unter prekären Verhältnissen alleine in Lyon, wo sie niemanden kennt und sich alleine durchschlagen muss. Das Kind – fröhlich untertags, ängstlich in der Nacht – raubt ihr Schlaf und Nerven, sie versucht in den diversen Foren Gleichgesinnte oder Trost zu finden. Unangenehm, aber wahr, wie feindlich Frauen Geschlechtsgenossinnen gegenüber sein können. Freiheit findet die Mutter in abendlichen Spaziergängen, die sie unternimmt, sobald der Sohn tief und fest schläft. Bis sie eines Tages länger wegbleibt …
Fives erzählt höchst eindringlich und spannend, als kleinen Kritikpunkt könnte man anmerken, dass es kaum Kinder unter 2 Jahren gibt, die zu fremden Männern gehen, weil diese ihrem nicht anwesenden Vater so ähnlich sehen. Da ging wohl die Fantasie durch!
Carole Fives: Kleine Fluchten (Zsolnay), Euro 19,-