Die 1980er im Valley

Wäre es die eigene Tochter hätte man so seine Sorgen, aber nachdem es offenbar die Erinnerungen der Autorin an ihre Jugend sind, weiß man, dass sie gut ausgegangen sind. Die bisher als Filmemacherin tätige Tamar Halpern legt mit ihrem Romandebüt eine überaus witzige Coming-of-Age-Geschichte vor.
San Fernando Valley, in den Achtzigerjahren. T ist vierzehn und pendelt zwischen ihren geschiedenen Eltern, zwischen dem Vater, der Physikprofessor in Berkeley ist, und der Mutter, die Künstlerin ist und gerade ihr Studium in L.A. beendet hat – zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In L.A. hat sie B und N, die Zwillinge, die ihre besten Freundinnen sind und die aus ihr ein echtes California Girl machen. In Berkeley gibt es Jeni und Grunge-Partys, dank der sie die neue Freundin des Vaters aushält.
T durchschaut auf ihre pfiffige Art die Erwachsenen, protestiert auf leise Weise und macht einem auf so viele Details aufmerksam, dass man den Unterschied zwischen L.A. und San Francisco gut verstehen kann. „ Berkely-Kids kennen sich mit Tagespolitik aus und stellen bei ihrer Mutter in der Badewanne LSD her, L.A.-Kids kennen den Gezeitenkalender, selbst wenn wir nicht surfen und und die meisten von uns haben mit mindestens einem Nebendarsteller einer Fernsehserie Drogen genommen.“ Außerdem gibt es noch umfangreiche Fußnoten im Anhangs, in dem einem Begriffe wir Rat, Cul de Sac, Swinger oder Reggae auf unterhaltsame Weise erklärt werden.
Aufgrund der smarten T ist das Buch sowohl für Jüngere als auch für diejenigen, die die 1980-er -Jahre selbst erlebten empfehlenswert. Was da plötzlich wieder alles auftaucht!
Ein Lob auch an die Übersetzerin Sophie Zeitz, die genau den richtigen Ton auch im Deutschen für die vielen Anekdoten fand.
Tamar Halpern: California Girl (Diogenes) Euro 23,-