Geht das: Künstlerin und/oder Mutter?

Von Beginn an merkt man diesem Roman an, dass die Autorin ganz genau weiß, worüber sie schreibt: Anna Enquist war Konzertpianistin, Psychoanalytikerin und seit mehr als 20 Jahren ist sie Schriftstellerin. Zwar ist die Hauptperson in dieser Geschichte Komponistin, aber wie genau Enquist den Musikbetrieb beschreibt, zeugt von großem Insiderwissen. Zwar ist der Befund, dass „die Vorliebe der heutigen Konzertgänger in der Vergangenheit hängengeblieben ist“, nichts Neues, doch so charmant lässt man sich leicht auf den Schlips treten. Und dass Alice ein sehr großer Haydn-Fan ist, lässt einem selbst auch wieder zu dessen Musik greifen. „Die paar Hanseln, die sich neue Musik anhören, kann man vergessen. Das war im achtzehnten Jahrhundert schon anders.“
Aber nun zum Inhalt:
Alice ist auf der Höhe ihres Schaffens. Vom Königlichen Symphonieorchester in Amsterdam erhält sie den Auftrag, anlässlich des hundertjährigen Jubiläums ein Stück zu komponieren. Dass sie im Alltag ihr Geld mit dem Schreiben platter Werbemelodien verdient, weiß dank Pseudonym niemand, dennoch hinterlässt dieser Umstand tiefe Kratzer in ihrem Selbstbild.
In Rückblenden wird ihre schwierige Kindheit und erste Liebe gestreift, um eventuell dadurch begreifbar zu machen, warum Alice unbedingt ein Kind möchte. Aber kann man Mutter und Künstlerin gleichzeitig sein? Und was tun Frauen sich an, um unbedingt schwanger werden zu wollen!
»Die Seilspringerin« ist ein Roman über Kunst und Liebe, Schaffen und Mutterschaft,  erzählt ein menschliches Leben in seiner ganzen Zerbrechlichkeit und bietet einen ganz besonderen Twist zum Schluss.
Anna Enquist: Die Seilspringerin (Luchterhand) Euro 24,-