Kein Computer kommt auf solche Ideen

Was kann einem Geräuschemacher passieren, wenn er sein Gehör verliert? Im Falle von Lambert, dem Protagonisten dieses schmalen Romans nicht sehr viel, denn die Digitalisierung hat ihm quasi eh seinen Job schon weggenommen.
Keine Aufträge, da Computergeräusche den Filmproduzenten viel billiger kommen als seine ausgefeilten Ideen wie zB. Glasreiniger, der auf eine erhitzte Herdplatte gesprüht wird, das dann klingt wie die Laserkanone am Raumschiff Außerirdischer  oder ein Regenschirm, der das Stechen in die See akustisch wiedergibt.
Hanno Millesi erzählt die tragikomische Geschichte eines Geräuschemachers alter Schule und von einer Welt, in der kaum etwas so ist, wie es scheint. Wo es um die Glaubwürdigkeit der Bilder geht, die dem Publikum vorgesetzt werden. Wo die Wege mitunter lang sein können, jedoch im Studio zurückgelegt werden, so lange hinter den Kulissen verlaufen, bis sie eines Tages in die Flucht vor einer voranschreitenden Schwerhörigkeit münden.
Der Geräuschemacher ist einerseits ein Mann vergangener Welten, andererseits kommt einem die Stadt Z (Wien nicht ganz unähnlich) in die Zukunft gebeamt vor. Alles sehr schräg, ein wenig kompliziert, aber mit großem Stil und feinsinnigem Humor beschrieben.
Hanno Millesi: Der Charme der langen Wege (Atelier) Euro 20,-