Linke Boomerin wehrt sich!

Hier ist es vollkommen angebracht, dass die Autorin ihr Buch selbst einliest, denn erstens weiß sie natürlich am besten worauf es ankommt und zweitens ist Christiane Rösinger bühnenerfahren und beherrscht ihr Metier.

In Berlin ist sie ein Szenestar, in Österreich wurde sie vor allem durch ihre gemeinsamen Erlebnisse mit Stefanie Sargnagel bekannt, die es auch im Buch „Iowa“ (Rowohlt) nachzulesen gibt. Nun also ihr eigenes Buch über das Älterwerden. Christiane Rösinger ist Musikerin, Kreuzbergerin und Großmutter. Von ihr aus könnte das immer so weitergehen, wären da nicht das Älterwerden und die Geldsorgen. Das Altern lässt sich nicht aufhalten, aber um ein bisschen was zu verdienen, beschließt Christiane, einen Altersratgeber zu schreiben. Ohne Illusionen, dafür mit Power. Ein energischer Aufruf, sich nicht länger gefallen zu lassen, wie die Gesellschaft mit Frauen umgeht, die nicht mehr jung sind.
Dabei ist es gar nicht so einfach, selbst eine entspannte Haltung zum Altwerden zu finden. Das zeigen schon die Gespräche mit den Freundinnen, deren unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen: Da sind die Hundefrau, die Selbstoptimiererin, die Aufs-Land-Zieherin. Weit und breit kein positives Role Model. Wo sind die Vorbilder? Und vor allem: Was hilft alles, wenn man sich plötzlich in der Stroke Unit im Krankenhaus wiederfindet?

Ihr Blick auf ihr Umfeld ist gnadenlos, aber dabei immer lustig, die Veränderungen werden geschildert, aber nicht bejammert, nie kommt ein „früher war alles besser“ zur Sprache, vieles wird belächelt und auch in Abrede gestellt und alles ist so richtig, dass dieser Ratgeber wirklich allen gefallen könnte: Männern, damit sie wissen, wie Frauen tickern, jüngeren Frauen, damit sie wissen, was auf sie zukommt und allen anderen einfach, weil es kluge, aktuelle Unterhaltung ist.
Christiane Rösinger: The Joy of Ageing (Rowohlt), gelesen von der Autorin (Argon Verlag), Euro 24,-