Relax, Mr. White!

Man hat den Eindruck, je grausamer der Inhalt, umso geschliffener die Sprache: der Roman „Trophäe“ der flämischen Autorin Gaea Schoeters gehört schon jetzt zum Besten, das wir heuer lesen werden.
Hunter, steinreich, Amerikaner und begeisterter Jäger, hatte schon fast alles vor dem Lauf. Endlich bietet ihm sein Freund Van Heeren ein Nashorn zum Abschuss an. Hunter reist nach Afrika, doch sein Projekt, die Big Five vollzumachen, wird jäh von Wilderern durchkreuzt. Hunter sinnt auf Rache, als ihn Van Heeren fragt, ob er schon einmal von den Big Six gehört habe. Zunächst ist Hunter geschockt, aber als er die jungen Afrikaner beim flinken Jagen beobachtet …
Die meisten Safari-Reisenden wollen die zT. grausame Naturwelt zwar sehen, aber eingreifen höchstens insofern, dass man sich mit Bus, Jeep oder Hubschrauber (je nach finanziellem Vermögen) in die Wildnis begibt und danach gemütlich in der Lodge seine Fotos betrachtet. Nicht aber die Hauptperson dieser Geschichte, die schon als Kind mit dem Großvater auf die Jagd ging und sich durchaus mit den Eingeborenen messen kann. Aber dann halt doch nicht ganz. Ob sein Jagdinstinkt einem von der Zivilisation anerzogenen Pflichtbewusstsein weichen wird?

Mehr soll nicht verraten werden und so spannend die Geschichte ist, so lebt sie von der Sprache. Die Tiefenschärfe, mit der die Erzählerin die Geräusche und Gerüche der Natur beschreibt, lässt einen sinnlich erleben, was einen moralisch an die Grenzen zwischen Richtig und Falsch führt.
Gaea Schoeters: Trophäe (Zsolnay) Euro 24,-