” Was für ein unglaublicher bad good read”

Der Autor Peter Buwalda hat die anderen beiden Teile schon im Kopf, wir beginnen bei dieser geplanten Trilogie von hinten mit Kapitel 111. Diese Zahl bezieht sich auf Beethovens Klaviersonate Opus 111 , denn eine Figur, der wunderliche Konzertpianist Dolf Appelqvist behauptet, er hätte den dritten Satz dieser Sonate gefunden. Isabelle, die furchtlose Finanzjournalistin wittert einen Coup und verraten hat ihr dieses Geheimnis ihr ehemaliger Kommilitone Ludwig Smit, Stiefbruder des Pianisten.
Aber eigentlich dreht es sich um die Machenschaften in der Ölindustrie, um zerrüttete Familienverhältnisse, harten Sex, Politik in Nigeria und die Aufgabe von Medien. Der niederländische Autor bringt auf diesen 600 Seiten so viel unter, dass einem fast schwindlig werden könnte, dazu tragen die vielen Perspektivenwechsel, mitunter in einem Kapitel bei. Buwalda muss sehr viel recherchiert haben, so logisch kommen einem die Schilderungen und Anschuldigungen speziell der Erdölindustrie in Form von Shell vor, gerade die Kapitel, die in Lagos spielen, zeugen von Präzision und Brutalität, wie man sie lange nicht gelesen hat. „Entführungen sind Teil der nigerianischen Kultur. Die Regierung müsste nur Umsatzsteuer auf Lösegeld erheben, auf random – und es könnten Straßen angelegt, Schulen gebaut werden. Die Jugend hätte eine Zukunft.“
Diese Geschichte ist wuchtig, ausufernd, spannend, abstoßend und mit einer überaus starken Frau inmitten einer Macho-Welt.
Peter Buwalda: Othmars Söhne (Rowohlt), Euro 24,-